Studienfahrt Stift Keppel Gymnasium nach Schottland

Studienfahrt nach Schottland 2016 Alina Burgert Am Donnerstagmorgen, dem 29. September 2016, war es endlich so weit. Frau Kolberg-Böhm und Herr Mockenhaupt erwarteten uns bereits am Stiftstor, wo alle 20 Schüler nach und nach mit ihren vollgepackten Rucksäcken eintrafen. Unser Ziel war es mit festem Schuhwerk, wetterfester Ausrüstung und nichts weiter als unserem Rucksackinhalt den 154 km langen West Highland Way zu bestreiten. In sieben Tagen sollte es zu Fuß von Milngavie (bei Glasgow) vorbei am Loch Lomond quer durch die Highlands bis nach Fort William am Fuße des Ben Nevis gehen. Da nicht jeder täglich mit rund 15 kg Gepäck auf dem Rücken durch die Gegend läuft und wir sicher gehen wollten, dass diverse Kocher, Zelte und andere wichtige Ausrüstungsgegenstände noch funktionstüchtig sind, fand im April eine kleine Probewanderung mit Übernachtung im Zelt statt. Danach wusste man jedenfalls wie man seinen Rucksack am besten nicht packen sollte … Als endlich alle im Bus saßen, ging es los in Richtung Flughafen. Wir checkten ein, gaben unsere Rucksäcke beim Sperrgepäck ab und fanden uns schließlich alle vor unserem Gate ein um an der Whisky Tradition festzuhalten, welche vor zwei Jahren bei der ersten Schottlandfahrt gegründet wurde. Jeder bekam einen kleinen Schluck gegen die Flugangst und kurze Zeit später landeten wir auch schon in der Landeshauptstadt Edinburgh. Mit dem Bus ging es weiter nach Milngavie, wo es bei unserer Ankunft natürlich erst einmal anfing zu regnen. Wer hätte das gedacht?! Nachdem sich alle dem Wetter entsprechend angezogen hatten und das erste Gruppenfoto am Startpunkt geschossen wurde, begann unsere Wanderung erst wirklich. Anfangs waren noch alle voll motiviert bei der Sache und es ging langsam raus aus dem Ort ins offene Gelände, vorbei an Hügeln und Schafen. An den Linksverkehr musste man sich bei Straßenüberquerungen auch erstmal gewöhnen. Der Regen ließ nicht wirklich nach und bis wir nach Einbruch der Dunkelheit endlich bei unserer ersten Übernachtungsstelle ankamen, hatte sich bestimmt jeder mindestens einmal gefragt, warum er eigentlich so verrückt war und an dieser Studienfahrt teilnahm. Wir freuten uns einfach nur auf ein warmes Abendessen und einen warmen gemütlichen Schlafsack, jedoch mussten natürlich zuerst die Zelte aufgebaut werden. Als schließlich alle mehr oder weniger satt waren, wurde es ziemlich schnell still. Am nächsten Morgen hieß es dann „Früh aufstehen!“, wie jeden darauf folgenden Tag auch. Wie früh das war hing von der jeweiligen Etappe ab. An diesem Tag brauchten wir wahrscheinlich am wenigsten Zeit um die Zelte abzubauen, da sich niemand länger als nötig im strömenden Regen aufhalten wollte. Die Idee das Zelt irgendwie zu trocknen, wurde sofort wieder verworfen. Wir schulterten unsere Rucksäcke und machten uns auf, ständig mit dem Ziel vor Augen in ein paar Tagen den ganzen Weg geschafft zu haben. Wir überquerten eine Weide, folgten schmalen Teersträßchen und liefen auf die ersten Ausläufer der schottischen Highlands zu. Die Landschaft wurde immer grüner und zu unserer Linken bot sich ein erster Ausblick auf den Loch Lomond, den größten Süßwassersee Großbritanniens. An dieser Stelle teilte sich der West Highland Way in eine Berg- und eine Talvariante. Nur ein paar von uns entschieden sich für die Variante den Berg zu überqueren, weil man vor lauter Regenwolken unter Umständen eh nichts sehen konnte. Außerdem traten hier und da schon kleine Wehwehchen auf. Spätestens jetzt fing man an das Gewicht des Rucksacks sowie Muskeln, von deren Existenz man vorher nichts gewusst hatte, zu spüren. Trotz des grauen Himmels hatte man vom Berg einen wunderbaren Blick über den Anfang des 37 km langen Sees. Der kleine Aufstieg hatte sich echt gelohnt. Unten angekommen trafen wir auf die anderen und machten eine kleine Pause im Oak Tree Inn, einem gemütlichen Pub direkt am See. Wieder aufgewärmt und ausgeruht vergingen die letzten Kilometer bis zum Campingplatz in Cashel wie im Flug. Auf dem Weg wurde man immer wieder von freundlichen Schotten mit einem gut gelaunten „Hey ya“ oder einem „Almost there“ begrüßt und aufgemuntert. Oft entwickelten sich auch längere Gespräche und man hatte plötzlich neue Weggefährten, die man teilweise in den folgenden Tagen immer wieder traf. Gegen Abend wurde das Wetter immer besser und es blieb sogar für das Abendessen am Seeufer trocken. Von diesem Tag an hatten wir echt Glück mit dem Wetter. Am Himmel waren immer weniger Wolken zu sehen und sogar die Sonne ließ sich des Öfteren blicken, was allgemein zu guter Laune führte. Mit knapp 33 km war die Etappe am Samstag eindeutig die längste. Deshalb ging es schon um 8 Uhr los. Wenn man es etwas ruhiger angehen lassen wollte, gab es auch die Möglichkeit nach ein paar Kilometern auf die Fähre umzusteigen. Der Weg war größtenteils ein schmaler Pfad, welcher sich am Ostufer des Loch Lomonds entlang schlängelte. Das Wetter war traumhaft, die Aussicht unbeschreiblich. Überall entdeckten wir versteckte Steinstrände zwischen den Bäumen, Bäche plätscherten von den Bergen herab und mündeten in kleine Wasserfälle. Wir liefen den gesamten Tag bis es dunkel wurde und trotzdem verging die Zeit gefühlt viel schneller als sonst. Als wir schließlich müde und erschöpft um die nächste Kurve bogen, lag zum Glück auch schon der Campingplatz vor uns. Nach so einer Wanderung weiß man sonst selbstverständliche Dinge wie fließendes Wasser und genug Essen einfach viel mehr zu schätzen. Über eine einfache heiße Dusche freut man sich wie ein kleines Kind. Und genau solche Kleinigkeiten tragen dazu bei diese Studienfahrt zu einer ganz besonderen zu machen. Am Sonntag fing der Tag wie gewohnt an. Aufwachen, noch einmal umdrehen, irgendwann aus dem Schlafsack ins kalte kriechen, frühstücken, Zelte abbauen, zusammen packen und los wandern. Der Weg stieg langsam an und führte uns mitten durch eine Kuh Herde. Das Wetter war besser als je zuvor. Wir waren endlich mitten in den Highlands, den See hatten wir hinter uns gelassen und wir waren umgeben von typisch schottischen baumlosen Bergen. Obwohl die Etappe mit circa 20 km gut machbar war freuten wir uns, als endlich ein Campingplatz in Sicht kam. Kurz darauf stellte sich allerdings heraus, dass das nicht unser Campingplatz war. Glücklicherweise lag unserer nur ein paar hundert Meter entfernt. Da es in Tyndrum, dem Ort wo wir an diesem Tag waren, angeblich die besten Fish and Chips gab, ließen wir uns die Chance nicht entgehen und gingen abends alle gemeinsam essen. Da wir von den letzten Tagen anderes gewohnt waren, schmeckte es gleich doppelt so gut. Am nächsten Tag entschlossen wir uns einen Ruhetag einzulegen. Allerdings gab es trotzdem ein paar von uns, die nicht genug bekommen konnten, also brachen sie zu einer kleinen Bergtour auf. Wir anderen plünderten erst einmal den einzigen Supermarkt im Ort und kauften uns Milch, Eier, Marmelade und vieles mehr, also alles Dinge, die man auf einer Wanderung dieser Art normalerweise nicht freiwillig mit sich schleppt. Da wir an diesem Tag nicht laufen mussten, stand einem ordentlichen Frühstück also nichts mehr im Weg. Nachdem alle wieder ihre Kräfte gesammelt und sich ausgeruht hatten, ging es am nächsten Morgen schon vor Sonnenaufgang los, da wir noch einmal knapp 30 km zurücklegen mussten. Es ging gut voran bis wir ein schottisches Hochlandrind entdeckten. Das wurde aber auch echt mal Zeit. Nach einem kurzen Fotoshooting nahmen wir aber auch schon wieder Kurs auf das Rannoch Moor, wo irgendwo im Nirgendwo ein Hotel als einziges Gebäude weit und breit stand, neben dem wir wild zelten wollten. Uns mangelte es natürlich trotzdem an nichts. Wer sich waschen wollte musste allerdings mit einem eiskalten Fluss vorlieb nehmen. Einen Wecker brauchte man sich an diesem Tag auf jeden Fall nicht zu stellen. Für das Wecken waren heute die Hirsche zuständig, die solange röhrten bis auch wirklich jeder einmal davon wach geworden war. Die Sonne ging über dem Moor auf und wir bereiteten uns auf die heutige nicht ganz so lange Etappe vor, die jedoch ein paar Höhenmeter mehr beinhaltete als die vorherigen. Aber auch das schafften wir mit links. Schließlich mussten wir nur noch zwei Etappen meistern und mit dem Ausblick auf das immer näher kommende Ziel (einem 5-Sterne Campingplatz und natürlich das Ende des West Highland Way) und einem wunderschönen Weg läuft es sich doch gleich viel besser. Nach einer weiteren Übernachtung, dieses Mal in Kinlochleven, und den letzten Paar Kilometer kam auch schon der Ben Nevis in Sicht. Das bedeutete: Endspurt, wir hatten es fast geschafft! Endlich angekommen warfen wir uns mitsamt dem Rucksack erst einmal auf den Boden. 150 km lagen jetzt hinter uns. Wenn man es ganz eng sah mussten wir natürlich noch 4 km nach Fort William rein laufen, um den West Highland Way ganz offiziell zu beenden. Als wären wir in den letzten Tagen nicht schon genug gelaufen, machten sich ein paar von uns am folgenden Tag los und machten sich auf die Suche nach dem Endschild. Für die ganz Verrückten hieß es noch einmal „Früh aufstehen!“ und ab auf den höchsten Berg Großbritanniens. Wieso man sich das ganze antat wusste man spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem man den Gipfel schließlich erreichte und sich fühlte, als schaue man auf die Welt hinab, obwohl der Ben Nevis nur 1345 m hoch ist. Die Zeit war viel zu schnell vergangen und schon war es Samstag und es wurde Zeit sich auf den Rückweg nach Hause zu machen. An dieser Stelle gilt ein herzlicher Dank Herrn Mockenhaupt und Frau Kolberg-Böhm, die das ganze erst möglich gemacht haben! Und wenn wir schon gerade bei „möglich machen“ sind: ein ganz herzliches Dankeschön an Feinbier Unterwegs und dort vor allem Pauli Loos. Ohne die tolle Unterstützung von Feinbier und ohne die Zelte, die Pauli uns geliehen hat, hätte die ganze Fahrt nicht stattfinden können – ohne Zelte keine Fahrt, so einfach ist das! Diese Abschlussfahrt war einfach eine mega Erfahrung, die wir nicht missen wollen. All die schönen Ausblicke, die wir hatten, das Wetter, womit wir nach den ersten zwei Tagen echt unglaubliches Glück hatten und die vielen Abende, an denen wir einfach nur zusammen saßen und Spaß hatten. Solche Augenblicke sind unvergesslich und das Gefühl sein Ziel erreicht zu haben, also den ganzen Weg gewandert zu sein, ist unersetzbar.