Der GR 20: 180 km, 13.000 Höhenmeter, 15 Tagesetappen, Gipfel 2706m.

Nach einer größeren Odyssee über die halbe Insel und einer nicht eingeplanten Übernachtung abseits der Route, begann am 16.06.2014 endlich unsere Trekkingtour über den GR 20 von Nord nach Süd. Nachdem wir unsere Gas-, Essens- und Trinkvorräte mit etwas Verzögerung aufgefüllt hatten, wogen die Rucksäcke zwischen 13 und 16 kg undDer GR 20: 180 km, 13.000 Höhenmeter, 15 Tagesetappen, Gipfel bis 2706 m. das Abenteuer Korsika konnte losgehen. Nach sonnigem Start ging´s erst mal schweißtreibend durch die Macchia (korsisches Buschland) über 1300 Höhenmeter hinauf bis zur ersten Hütte. Da der GR 20 komplett in einem Nationalpark liegt, darf nur bei den Hütten auf sog. Biwakplätzen gezeltet werden. Die Hütten auf Korsika sind sehr viel spartanischer ausgestattet und meist auch viel kleiner als die uns bekannten Alpenvereinshütten. Die Versorgung erfolgt ausschließlich über Esel, Mulis und Pferde. Nach der ersten Nacht im Zelt in den Bergen begannen wir den Tag mit einem korsischen Frühstück in der Hütte. Wären dessen machte sich eines der besagten Mulis über unsere Rucksäcke her und verspeiste eine unserer Regenhüllen. Nach diesem morgendlichen Schock (was sich aber später als Schönwetter-Omen herausstellte) machten wir uns auf den weiteren Weg immer tiefer in die korsische Bergwelt. Nach unzähligen Pässen, Schneefeldern und schönen Bergtälern kamen wir im größten Skigebiet (!) Korsikas, in Haut Asco, an. Nun folgte eine der schönsten und schwersten Etappen der Tour. Es ging wieder hoch auf ca. 2200m um gleich danach in den „Kessel der Einsamkeit“ abzuklettern. Viele kleine bis größere Kletterpassagen folgten und im Anstieg auf der anderen Talseite einige seilversicherte und mit Leitern gespickte Abschnitte. Bei herrlichem Wetter erreichten wir die Tighiettu-Hütte wo wir es uns mit einem leckeren Abendessen gut gehen ließen. Nach dem Essen wartete der supernette Hüttenwirt noch mit einer kulinarischen Überraschung auf. Es gab Schnaps aus der Sprühflasche. Der Hüttenwirt ließ es sich natürlich nicht nehmen und sprühte das hochprozentige Gebräu jedem Gast direkt in den Mund bzw. ins Gesicht. Am nächsten Tag wollten wir den höchsten Berg Korsikas, den Monte Cinto, besteigen. Wir ließen alle überflüssigen Klamotten an unserem Zelt zurück und machten uns früh auf Richtung Bocca Crucetta. Nach ca. 2 Stunden teils sehr steilen Aufstiegs erreichten wir die 2500m hohe Scharte, zum Übergang ins Cinto-Tal. Doch leider versperrte uns meterhoher Schnee das weiterkommen. Also entschieden wir uns, den Rückweg anzutreten. Nach beschwerlichem Abstieg ließen wir den Tag mit einem herrlich erfrischenden Bad in einem Bergbach und einem korsischem Kastanienbier ausklingen. An den folgenden Tagen ging es immer wieder über Scharten, Schneefelder und lichte Bergwälder. Vorbei an dem Matterhorn Korsikas, der Paglia Orba. Wir näherten uns langsam dem kleinen Örtchen Vizzavona. Dort endet der Nordteil des GR 20 und der Südteil beginnt. Nach dem kurzen Kontakt mit der Zivilisation verschwanden wir auch schon wieder in der Bergwelt Korsikas. Im Südteil des GR 20 ging es vorbei an vielen Bergerien, durch lichte Wälder mit teils beeindruckenden Baumriesen. Ab dem Refuge de Prati war dann auch zum ersten Mal unser Ziel in Sicht, die Ostküste Korsikas. Was aber noch einige Tagesetappen entfernt lag. Bei herrlichem Wetter ging´s weiter zum Refuge d´Usciolu. Dort betrieb der Hüttenwirt einen kleinen „Supermarkt“ auf ca. 4 Quadratmeter Fläche. Es gab fast alles was das Trekkerherz begehrte, von der Batterie fürs GPS bis zu neuen Trekkingschuhen! Nun galt es noch einen letzten Pass über 2000m zu überqueren bevor wir am Col de Bavella wieder in die Zivilisation traten. Dort ließen wir es uns nicht nehmen in einem kleinen Markt endlich nochmal frisches Obst zu kaufen und direkt zu verspeisen. Nach 14 Tagen Nudeln in allen erdenklichen Varianten eine wahre Geschmacks-Explosion. Nun war das Ziel zum Greifen nahe, noch eine Tagesetappe bis zur Küste. Doch die letzte Etappe wollte einfach kein Ende nehmen. Endlose Gebirgswälder und ein nicht enden wollender Pfad. Doch dann war es soweit, unser Ziel (Conca) war erreicht! Müde aber erleichtert stiegen wir in das Bus-Taxi das uns zur Küste brachte, wo wir noch ein paar erholsame Tage am Strand verbrachten. Unterdessen machte sich eine weitere Gruppe (Katrin, Carsten, Holger und Frank) auf den Weg nach Korsika um auch das Abenteuer GR 20 zu erleben. Fazit: Der GR 20 ist ein anspruchsvoller Trek in einer beeindruckenden Landschaft mit durchweg freundlichen und hilfsbereiten Menschen in Ihrer unverwechselbaren korsischen Art.

Daniela und Steffen Althaus